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Die fabelhafte Mistenshow (1. Teil)

Juhu, da leuchtet sie in der Abendsonne die Luxusmiste!

Nach gefühlt unendlicher Wartezeit (seit Werkvertragsunterzeichnung waren es genau 355 Tage, seit Baugenehmigung 212 Tage) war es gestern endlich so weit. Die Ankunft der Miste in Döbi wurde ausgerufen.

Je näher der Liefertermin rückte, um so wahnsinniger wurden meine eigenen Gehirnverknotungen. Sind alle Entscheidungen richtig getroffen, was mache ich, wenn ich das Haus plötzlich entsetzlich finde, was wenn der Außenanblick ganz anders wirkt als das kleine maßstabsgetreue Modell, das seit Monaten auf dem Wohnzimmerregal thront.

Der Mistentag begann zum Entsetzen des Beagles um 4.00 Uhr in der Nacht. Der Hase hatte die Abfahrt für 5.00 Uhr anberaumt und immerhin muss das Federkleid für die Ankunft der Miste zumindest ein bisschen herausgeputzt werden. Frisch gefedert war ich um 5.05 Uhr abfahrbereit. Bepackt mit Frühstück, das unter anderem aus dem besten Produkt der Henne, dem hartgekochten Hühnerei und 2,5kg Bratkuhkugeln (in Berlin auch Bulette genannt) bestand, schwangen wir uns um 5.20 Uhr ins Auto. Nach 30 Minuten Fahrzeit erreichten wir Döbi.

Am Grundstück parkte bereits der Kran. Aber wo war das Haus? Kein LKW zu sehen. Der Kranführer begrüßte uns und dann erspähte ich ihn - den LKW mit den ersten Luxusmistenwänden.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Nachbarn bedanken, dass die Kranstellung und Hausanlieferung so unbürokratisch durchgeführt werden konnte. Ihr seit alle super 🙂

Wenige Minuten nach dem LKW erreichte der Aufbautrupp den Mistengrund und dann ging es Schlag auf Schlag.

Ich hatte es ja schon in vielen Baublogs gelesen, wie schnell und gut organisiert der Aufbau abläuft, aber wenn man direkt in der ersten Reihe daneben sitzt ist das ganze noch einmal ein andere Nummer. Staunend vergaß ich in den ersten Stunden meinen Sekretärinnentätigkeiten nachzugehen und Eckdaten mitzunotieren. (Ein Gedächtnisprotokoll befindet sich als Hausbauspecial in der Zeitreise).

Ich verfolgte die Szenerie gebannt vom Regiestuhl aus. Mit offenem Mund, ebenso wie die kleinen Nachbarjungen, die sich gleich heute auch alle so einen tollen Kran kaufen möchten.

Ein Schreck durchzuckte mich, als die erste Hauswand in der Luft war. "Dit sind aber nicht meine Jalousien - ick hatte weiße bestellt und nicht diese silbernen Dinger!" Jut, solange es die richtige Miste ist, die da gerade durch die Luft fliegt, ist alles in Ordnung. Das Huhn sprintete sofort zum LKW-Fahrer, um klarzustellen, dass die Miste im Reklamationsfall wieder abgebaut wird. Lustig sind se ja alle, die Jungs!

Oh nein, Regentropfen. Der eindeutig unbefederte Herr Wettervogel vom ZDF-Moma hatte mir Sonne versprochen. Hier kann etwas nicht stimmen.

Der nächste Schreck durchzuckte mich, als nicht endendes Material in das OG geladen wurde. Dämmwolle, Dämmwolle, Dämmwolle, Rigips, Rigips und nochmals Rigips. Richtig vor meinen Augen flog das Ausbaupaket 1 durch die Luft. Ein freundlicher Arbeiter dem offensichtlich meine Blässe im Gesicht auffiel, klärte mich auf, dass das AP1 von Fingerhaus durchgeführt rund maximal 2 Tage dauerte und jetzt komme ja auch nur die Konterlattung nach oben. Das "bisschen" Konterlattung schwebte bereits vor mir in der Luft. Bei Latte 90 hatte ich keine Lust mehr zu zählen.

"Sie sind ja so bescheuert, meine Liebe, hier am falschen Ei gespart zu haben", hämmerte es mir im Kopf. Aber man werkelt ja gerne im eigenen Haus. Nur nicht durchdrehen, das Geld kann jetzt in einen Gartenbauer investiert werden. Man muss direkt neue Vorteile finden, um sich nicht von der Vorstellung abschrecken zu lassen, eingesaut von Dämmwolle und eingehüllt in eine lockere Ganzkörperschutzhülle verschwitzt und fertig im Dachgeschoss zu liegen.

Endlich Herr Wettervogel, am frühen nachmittag kam die Sonne heraus und die Massivbauhausnachbarn schnappten sich ihre Klappstühlichen und verfolgten ebenso staunend wie ich die Mistenshow.

Abends schlafen wir erschöpft, dreckig aber vollkommen glücklich und zufrieden zu dritt auf dem Sofa ein.

Die fabelhafte Mistenshow (2. Teil)
Bodenplatte abgenommen
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