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Endmontage in 2 Phasen

Mistenzeit: 01.08.2014

Meine sehr verehrte Leserschaft,

wie Ihnen sicherlich bekannt ist, bin ich grundsätzlich bemüht höchstwichtige Termine die Luxusmiste betreffend höchstpersönlich wahrzunehmen. Die bevorstehende Endmontage stand aus diesem Grund ganz oben in meinem Terminkalender. Immerhin versprach dieser Tag die Inbetriebnahme des vollautomatischen geruchsarmen Wasser-WCs ohne Spülrand. Die stinkende Dixie-Latrine aus der bei hohen Außentemperaturen zeitweise Dampf aufzusteigen pflegte, ist mir bereits seit längerem ein Dorn im Auge. Trotz mehrfacher nachdrücklicher und eindringlicher Telefonate mit dem Latrinenbetreiber aus Berlin Spandau wurde die Plastiktoilette nur im Ausnahmefall mit frischer Chemie zur Geruchstilgung versorgt. Aber meine verehrte Leserschaft, ich schweife ab.

Widmen wir uns der Endmontage, die sich bisher insgesamt über 2 Phasen erstrecken sollte und die bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist.

Während der fleißige Herr Tischler die letzten Fußleisten an die Wand heftete erspähte ich den Fingerhauswagen der auf dem Mistengrund zum Stehen kam.

„Guten Tag meine Herren, als erstes gehen Sie bitte in die beiden Badezimmer und installieren die Toiletten, um mich von der Plastiklatrine zu erlösen. Vielen Dank für Ihre Kooperation!“

Wunderbar, ganz nach meinem Geschmack und ohne Widerrede verteilten sich die beiden Mitarbeiter auf das Hauptbad und Gäste-WC und begannen ihr Werk. Selbstverständlich brachten Sie nicht nur die WCs an, sondern installierten auch Waschbecken und die Badewanne. Wenige Minuten nach Arbeitsbeginn waren die Nasszellen allerdings schon wieder verlassen und beide Mitarbeiter durchwühlten hektisch den Finger-Firmen-Bauwagen. Ich beobachtete das lustige Treiben von der noch nicht vorhandenen Küchenfensterbank aus, hier ein Schlauch, da ein Rohr, hmmm was machen die nur?

„Entschuldigen Sie werte Frau Huhn (immerhin besitzt der Mann Manieren), wir haben nicht alle notwendigen Schlauchstücke an Bord um die Badezimmerinstallation vollständig abzuschließen“. Offensichtlich sind die Objekte Keramag XS Waschtisch und eine schnöde Plastikeckbadewanne zu profan, um gängige Anschlussmaterialen mitzuführen. Aber bitte, jetzt nur nicht zickig werden, dachte ich mir, denn „Hauptsache, meine Herren, die Toilettenspülung ist funktionsfähig!“ Die Beiden nickten.

Ich verabschiedete mich ins Hauptbad, um mich dort von der ordnungsgemäßen Funktionsfähigkeit der Spülung zu überzeugen. Da mein Weg mich zunächst am Waschtisch vorbei führte, für den dankenswerter Weise genügend Schlauchwerk gefunden werden konnte, drehte ich höchsterfreut den Wasserhahn auf. Wasser plätscherte ins Waschbecken und ich wurde abrupt von einem querschießenden Wasserstrahl getroffen. Für die Federpflege sollten doch eigentlich die Dusche und Badewanne installiert worden sein. Gut, beides war im Moment nicht nutzbar, aber den Wasserlauf des Waschbeckens derart umzufunktionieren ging dann doch zu weit.

Mit Wassertropfen benetzt wandte ich mich anschließend dem WC zu. Ich betätigte die Spülung und atmete auf. Ein Wasserstrahl ergoss sich in die Toilettenschüssel und hörte aber dann gar nicht mehr auf zu laufen. „Meine Herren, sowohl Waschbecken als auch WC müssen nicht als Ersatzbadewanne verwendet werden! Bitte stellen Sie den Strahl senkrecht und stoppen Sie das Wasser in der Sitzkeramik!“ Hektisch wurde ein kleiner roter Schlüssel gesucht, der den Wasserstrahl in die Senkrechte zurückjustierte und auch die übereifrige WC-Spülung konnte problemlos gebändigt werden.

Dass die Herren nicht auf die Idee kamen, sich nicht selbst von der Funktionsfähigkeit ihrer Arbeit zu überzeugen, ist nur damit zu erklären, dass die Bauherren ständig in Qualitätssicherungsmaßnahmen weiter gebildet werden sollen. "Bei mir meine Herren, werden Sie ihre Meisterin finden!"

Danach machten sich die Männer an die Reinigung der Fensterrahmen und die Gängigmachung der Fenster. Sehr bedächtig wurde versucht, hier und da eine Spur vom Fensterrahmen zu entfernen. Auf das Gewerk schielend war mir bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass ich hier selbst noch einmal die Putzfeder anlegen musste.

In einem nächsten Schritt wurde die Haustür vom Plastiküberzug befreit. Ich beäugte neugierig die Sicht nach draußen durch die in der Tür eingelassenen Glasscheiben. Ach Du meine Güte, genau auf Augenhöhe innen und außen tiefe Kratzer im Glas. Wieder bemühte ich einen Endmontierer, der diesen Mangel widerspruchslos notierte und sich wunderte, dass die Tür überhaupt das Werk verlassen hat. Tja, ich erwähnte ja bereits, dass man mich als Qualitätssicherungshuhn zu keiner Minute unterschätzen sollte.

Die Treppe wurde ausgepackt. Ich verweilte auf dem oberen Treppenabsatz. Ganz unvorbereitet stach mir ein riesengroßer Kratzer am dunkel gebeizten Pfosten ins Auge. Bei näherer Betrachtung handelte es sich nicht direkt um einen Kratzer, sondern um eine Art Riss im Holz, wie eine schlechte OP-Naht. Als nächstes fuhr mein Auge den Handlauf der Treppe hinunter, überall kleine Nähte. Der Hasenvater war zeitgleich mit der Treppeninspektion beschäftigt, allerdings hatte er von unten mehr die Treppenwangen im Visier.

„Diese Treppe würde ich nicht abnehmen!“, sagte er.  „Nein, ich auch nicht.“, entgegnete ich.

Eilig hastete ein Fingerhausmitarbeiter herbei, um die Treppe in Augenschein zu nehmen. Das sei ganz normal bei einer dunklen Treppe sagte er, kein Grund zur Beanstandung. Komisch, in der Bemusterung hatte man mich gar nicht darauf aufmerksam gemacht, dass eine dunkel gebeizte Fingertreppe mit Leimnähten im Standard daher kommt. Ich hätte mich dann sicherlich für ein anderes Modell entschieden. Während ich noch damit haderte, wie ich dem Endmontierer freundlich beibringe, dass ich seinen Worten nicht glaube, kam mir ganz unvermittelt der Herr Tischler zu Hilfte, der gerade die letzte Fußleiste in die Wand getackert hatte. Er erklärte mir, dass es sich sehr wahrscheinlich um eine Reaktion von nicht verträglichen Komponenten handeln könnte, die beim Treppenbau verwendet worden seien.

Dass er den Nagel auf den Kopf getroffen hatte, beobachtete ich an der Reaktion des Endmontierers. Dieser gestikulierte dem Tischler doch tatsächlich, dass er bitte nichts mehr sagen möge. Man kann versuchen, ein Huhn für dumm zu verkaufen, aber etwas geschickter sollte man sich dabei schon anstellen. Dieser plumpe Versuch grenzt für mich schon an eine Beleidigung. Ich entschied mich dafür, diese Reaktion großzügig zu übersehen, da mir der Sinn nicht nach einer Diskussion stand, bestand aber im Gegenzug darauf, dass dieser Mangel sofort niedergeschrieben wird.

Die Nachbesserung der Endmontage erfolgte 2 Wochen später. Der Mangel an der Treppe wurde im übrigen schon wenige Tage später ganz anstandslos vom Bauleiter anerkannt aber auf die Lösung warten wir noch. Zur Diskussion steht eine Versuch des Ausbesserns der Treppe oder ein gesamter Tausch der Treppe.

Ich verbleibe mit den besten Wünschen für das restliche Wochenende,
Ihre Frau Huhn

aller guten Fugen sind drei
eckiges Viynl trifft auf weiße Tür

One Response

  1. […] die Endmontage in mindestens 2 Schritten […]

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