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Mistenerwärmung – ein Drama in 3 Akten (Teil I)

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Frau Huhn übernehmen Sie!“ ist hier sehr leicht gesagt bzw. geschrieben, mein lieber Herr Hase. Ich benötigte eine einwöchige Ruhepause, um mich von den zweiwöchigen Strapazen der Mistenerwärmung zu erholen.

Für alle, die es vergessen hatten, der feine Bauherr Herr Hase wurde nach der persönlichen Übergabe der Bauanzeige-Unterlagen im Bauamt zu Nauen von einer gewissen inneren Ruhe heimgesucht. Das schlimmste sei für ihn erstmal geschafft und man könne sich jetzt auf die vermeintlich einfachen Dinge konzentrieren, wie beispielsweise die abschließende Auswahl der Küche.

Plötzlich beendete aber eine schockierende Mail die trügerische innere Ruhe. Eine Erdwärmebohrung im Mistengrund sei laut Behörde nur bis 25m Tiefe durchführbar. Um dennoch genügend Wärme in die Miste transferieren zu können wären 6 bis 10 Bohrungen notwendig. Beim Blick auf den sich daraus abzeichnenden Aufpreis rupfte ich mir das erste Mal nervös durch die Federn.

Den ersten Aufpreis durch die automatische Kurbel zur Fäkalienabwehr konnte ich gerade noch mittragen, der Schacht zur Regenwasserableitung versetzte mich danach bereits in leichte Panik, konnte aber dann zum Hühnerglück noch gegen eine preiswertere Mulde ausgetauscht werden. Aber einen 5-stelligen Aufpreis für Bohrereien könnte mein Hühnerherz wirklich nicht ertragen.

Glücklicherweise erspähte ich im nächsten Satz, dass auch die Firma Fingerhaus einen derartigen Bohrexzess auf unserem Grund für unrentabel hält und die Heizungstechnik erneut mit uns beleuchten möchte. Sehr gut.

Ich las weiter und suchte den Alternativ-Vorschlag – man verlässt sich ja erstmal auf den routinierten Fertigmistenbauer. Bei der Grußformel am Ende des Schreibens angekommen, wurde mir dann aber klar, hier gibt es keinen Alternativ-Vorschlag. Nun gut, selbst ist das Huhn und delegiert die Klärung.

Der Hase wurde also beauftragt, sich am nächsten Tag telefonisch bei den Behörde zu erkundigen. Als charmanter Amtsgänger verfügte der Hase ja bereits über ein paar Kontakte zu den zuständigen Beamtendamen, die den Hasen im Notfall mit wertvollem Informationsmaterial versorgen können. Der Hase erfuhr Dinge von einem deutschen Kaiser, einem gewissen Herrn mit komischem Schnauzbart, einer Horde wilder Russen und einigen Hinterlassenschaften aus der ehemaligen DDR welche zusammengenommen, eine plausible Begründung für die Bohrtiefenbegrenzung darstellten.

Ausserdem erfuhr der Hase aber auch, dass eine spezielle Bohrfirma in Döbi wohl sehr bekannt war und angeblich besondere Erdwärmesonden verwendete, die Koaxialsonde – aha.  SOS Herr Google, helfen Sie einem dummen Huhn. Und was sagt überhaupt der Fertighäuslebauer zu alternativen Bohrverfahren? Richtig – nix. Aber immerhin darf man die Bohrung selbst in die Hand nehmen und erhält die kalkulierte Summe aus dem Vertrag gutgeschrieben. Obwohl, „Wir bieten auch Luftwärmepumpen an.“ trällerte die Mistenbaufirma am Telefon. Na wunderbar!

So langsam kochte doch ein gewisser Ärger in mir hoch, dass uns eine Heizung angeboten wurde, die auf unserem Grundstück gar nicht umsetzbar ist und die Miste deshalb vor meinem geistigen Auge gerade unerwärmt im aufkommenden ersten Herbststurm alleine in der Kälte stand. Vor allem aber ärgerte ich mich über mich selbst, weil ich mich zum Zeitpunkt des Hauskaufs gar nicht im Detail mit den verschiedenen Heiztechniken auseinandergesetzt hatte.

(Anmerkung des Hasen vom 04.11.2013: Aufgrund einer aufgetretenen Fehlinterpretation der huhnischen Situationsschilderung möchte ich an dieser Stelle gerne noch einmal klarstellen, dass ich keine schlechten Erfahrungen mit der Technikabteilung der Firma Fingerhaus gemacht habe. Meine Fragen wurden zu jeder Zeit geduldig und für mein Empfinden kompetent beantwortet. Die Flut an Informationen über die verschiedenen Heiztechniken traf uns einfach zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt ganz unvorbereitet.)

Das Internetz ist ja schlau, man muss nur die notwendige Zeit mitbringen und sich durch Foren, Studien des Fraunhofer Institutes und sonstige Berichte zu quälen, um zur richtigen Heiztechnologie zu gelangen. Im Zuge der Recherchen wurde schnell klar, wir brauchen eine Heizlastberechnung um bestimmen zu können, welche Leistung unserer Heizung liefern muss. Während der Hase bemüht war, Fingerhaus eine Heizlast aus den Rippen zu pressen, lernte ich, dass die alternative Wärmegewinnung doch unter Umständen gar nicht so energetisch ist, wie angepriesen.

Von der Erdwärmebohrung weg hin zur Luft-Wärmepumpe. Ein interessantes Prinzip, denn hier versuchte sich mein Hühnerhirn vorzustellen, wie denn wohl aus winterkalter Außentemperatur energetisch vertretbar Luxusmistenwärme erzeugt werden soll. Mittlerweile entwickelte ich mich zu einem Profihuhn auf dem Gebiet der Heizlast, des Wärmebedarfs, der COP und JAZ. Ja, ich erstellte sogar eine Berechnung (vielen Dank Haustechnik-Dialog Forum), um mir laienhaft mit den beheizbarer Fläche, den Transmissionswärmeverlusten, den U-Werten und einigem anderen Gedöns einen Überblick über die zu erwartende Heizlast zu verschaffen.

Und je mehr ein Laienhirn aufsaugt, um so unsicherer wird es über das gelesene. Es beschlich mich jedenfalls das Gefühl, dass hier an der gelobten Wärmepumpenheiztechnik irgendwas nicht hühnerlogisch war. Wo sind die unabhängigen Energieberater wenn man sie braucht? Ganz ehrlich, weder ich noch der Hase haben einen gefunden. Irgendwann erinnerte sich aber der Hase an unser Gespräch bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale in Berlin. Hier wurde uns tatsächlich auch Gas empfohlen, was wir zum damaligen Zeitpunkt aber nicht verstanden und auf eine gewisse Senilität des doch nicht mehr ganz so jugendlichen Beraters geschoben hatten.

Danach führte der Hase aber noch ein ausführliches Gespräch mit einem Ingenieur. Dieser ist zwar auf einem ganz anderen aber trotzdem leicht themenverwandtem Gebiet tätig ist. Der Herr Ingenieur befindet sich im hasischem Informantenschutzprogramm und darf hier nicht genannt werden. Eine Lehre aus diesem Gespräch aber war, ändert man die Suchstrategie im Internetz stößt man  auf einige interessante Problematiken, wie falsch eingestellte Wärmepumpen, sehr hohen Stromenergieverbrauch, eine unbekannte Lebensdauer von Luftwärmepumpen, unangenehme Geräuschentwicklung, Wärmepumpentarife, Sperrzeiten und schließlich auch auf die Stromlobby.

Aber warum findet man nur glückliche Wärmepumpenbesitzer in glücklichen Baublogs? Tja, wer schreibt heute überhaupt schon seit über 10 Jahre einen Baublog und dann auch noch etwas zur ersten Wärmepumpe. Wir hatten mehr als eine schlaflose Nacht, immerhin ist die Heizungsanlage ein nicht unerheblicher Kostenfaktor und gerade im Alter, wenn die Rente klein ist, sollen die sich die Unterhaltskosten für das Haus Rahmen halten.

Eine neues huhnisches Berechnungsblatt wurde angelegt, in dem für jede Heizvariante die Investions- und laufenden Kosten der Heizung bis zu unserem geschätztem Ableben gegeneinander aufgewogen wurden.

Das erstaunlichste Ergebnis an dieser Übersicht war, dass Erdwärme zu keiner Zeit die wirklich kostengünstigste Variante gewesen wäre. Eingelullt von alternativer und energetisch einwandfreier Heiztechnik war auch ich sofort bereit gewesen, fossile zu Energien aus meinem Sichtfeld zu verbannen und mich voll Elan in die zukunftsorientierte Welt der Wärmepumpen zu begeben.

Die interessanten Erkenntnisse lest Ihr weiter im 2. Akt.

 

Mistenerwärmung - ein Drama in 3 Akten (Teil II)
Baufreigabe, Prüfstatik und Heizungsversorgung

2 Responses

  1. Christian
    |

    Hallo Miss Huhn,

    bei Gas bitte nicht die Kosten für den Hausanschluss vergessen. Bei uns wären das mehrere Tausend Euro gewesen, da war der Aufpreis für Erdwäre gar nicht mehr so hoch. Bei der Wärmepumpe ist auch gleich die Fußbodenheizung im Preis, bei Gas gibt es die mit Aufpreis.

    Viele Grüße,
    Christian

    • Herr Hase
      |

      Hallo Christian,

      danke für den Hinweis, die Kosten für den Hausanschluss Gas liegen bei uns fast 50% unter den zu erwarteten Zusatzkosten für die Bohrungen. Das mit der Fußbodenheizung ist richtig aber der Aufpreis hält sich auch im Rahmen. Im Folgeartikel wird das aber alles nochmal in epischer Breite ausgeführt.

      Die Mistenerwärmung – ein Drama in 3 Akten (Teil II) wird wohl heute Abend online gehen.

      Viele Grüße

      Der Hase (Michael)

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