Home » Blog » Hausbau Allgemein » Mistenerwärmung – ein Drama in 3 Akten (Teil III)

Mistenerwärmung – ein Drama in 3 Akten (Teil III)

DallgowWenn Historisches zum Problem wird oder warum der Siebenjährige Krieg etwas mit unserer Heizung zu tun hat? Hier meine basische Antwort und der Grund, quasi der Prequel  unserer Heizungsumplanung. Unser Mistengrund liegt auf teilweise sehr historischem Boden. Dass diese Historie allerdings gleich unsere Pläne für die Luxusmiste berühren würden, hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können. Ok, das im Nachbarort gelegene Olympischen Dorf oder besser gesagt das, was davon übrig ist, hätte mich auf die Vergangenheit der Gegend rund um Dallgow hinweisen können. Es hätte mir zurufen können „Hey, hey Herr Hase, hier in der Gegend wurde früher nicht nur Ackerbau und Viehzucht betrieben!“ Ja, das hätte das Olympische Dorf tun können, hat es aber nicht. Deshalb traf uns die Erkenntnis vor ein paar Wochen mit voller Breitseite. Das Dorf vor den Toren Berlins, in dem wir im nächsten Jahr unsere Luxusmiste bauen werden, hat eine schaurige, über 300 Jahre andauernde und vor allem sehr militärhistorische Geschichte, voller Krieg, Gewalt und Bombenhagel. Schon unter König Friedrich I wurden in der Döberitzer Heide ganze Regimenter in praktischer Kriegsführung durchs Gelände gejagt. Diese militärische Nutzung wurden dann unter Friedrich Willhelm I fortgesetzt. 1753 hielt Friedrich II in der Heide ein Großmanöver ab, um das aufgestachelte Ausland während des Siebenjährigen Kriegs zu verwirren. Unter Kaiser Willhelm II wurde das Gelände dann ab 1892 als Truppenübungsplatz für das preußische Militär beansprucht. (Notiz an mich: Pickelhaube für die Gartenarbeit kaufen!) Ab 1910 befand sich in der Gegend dann auch die erste provisorische Militärflugschule und bis in den Zweiten Weltkrieg hinein wurde der Truppenübungsplatz Dallgow immer weiter ausgebaut. Nachdem die Nazis 1945 besiegt waren, nutzte ab 1947 die Rote Armee das Areal als Übungsgelände. In all den Jahren schossen sich Infanterie, Artillerie und Kavallerie dort die Granaten um die Ohren und Flugzeuge, Panzerwagen und Fuhrmaschienen verdreckten neben einigen abscheulichen Waffentests den Untergrund mit allerhand widerlichen Sachen. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1991 ist die ehemalige Dorfstelle Dallgow in der Döberizer Heide mittlerweile aufgrund der Gefahren im Untergrund als unzugänglich eingestuft und abgesperrt. In Döbi, unweit unseres Grundstücks findet sich sogar noch eines der letzten „teilweise“ noch erhaltenen Gebäude des ehemaligen Barackenlagers Döberitz, ein Offiziers-Casino aus dem Jahr 1895. Dieses steht seit dem Abzug der sowjetischen Armee zwar ungenutzt leer und verfällt zusehends aber eine Restaurierung ist wohl angeblich immer mal wieder im Gespräch. Seit 2004 befindet sich das ehemalige „Übungskampfgebiet“ und mittlerweile als Naturschutzgebiet, ausgewiesene Areal in der Döberitzer Heide im Besitz der Heinz Sielmann Stiftung die dort umfangreiche Sanierungs und Aufräumarbeiten durchgefürt hat. Um den Dreck der jahrhundertelangen militärischen Nutzung wieder aus dem Boden zu bekommen, wird seit etwa drei Jahren im gesamten Gebiet eine umfangreiche Grundwassersanierung durchgeführt. Und genau diese Grundwassersanierung sorgt bei uns heute für das Verbot einer Tiefenbohrung. Unser Mistengrund ist glücklicherweise scheinbar nicht von den militärischen Hinterlassenschaften betroffen. Eine Bodenanalyse, die wir von einem unabhängiges Labor haben untersuchen lassen bestätigt zumindest das wir keinen „Dreck“ im Boden haben. Ein einfacher Hinweis unseres Grundstücksverkäufers über das Wohngebiet, die Grundwassersanierung und die Bohreinschränkungen hätten wir uns aber irgendwie trotzdem gewünscht, denn selbst die zuständigen Behörden haben mir bestätigt, dass ich ohne Hinweise niemals selbstständig im Internet auf die entscheidenden Dokumente der Grundwassersanierung und der Bohrtiefenbegrenzung gestoßen wäre. Die Historie dieser Gegend war mir zum Teil aber nicht in diesem Umfang bekannt. Fingerhaus-Architekt Herr B. hat uns die neuen Pläne des Erdgeschoss mit der neuen Heizanlage sowie eine Ansicht der Südseite der Miste mit den jetzt eingeplanten Solarlollektoren angefertigt. Ich habe diese Änderungen in doppelter Ausführung persönlich beim Bauamt Nauen eingereicht. Mit der Dame vom Bauamt hatte ich dann noch ein Aufschlussreiches Gespräch über Architekten, Bauordnungen, Bau-anträge, -anzeigen und -genehmigungen. Vor Aufregung über die neuen Information habe ich dann auch noch lustig beim Ausparken ein Hellblaues, mit Silberflitter geschmücktes  Auto, nebst Böse Onkels Aufkleber an der Heckscheibe geknutscht – na Wunderbar – – POLIZEI –

 

Bild aus der Wikipedia: Mediendatei ist gemeinfrei, ihre urheberrechtliche Schutzfrist ist abgelaufen.
 
Küchenschlacht die Zweite
Mistenerwärmung - ein Drama in 3 Akten (Teil II)
Comments are closed.