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Technisches Misten-Tuning aus huhnischer Beobachtung

HuhnreisenMein sehr verehrter Lesezirkel,

die Luxusmisten-Bauherrschaften haben bei ihren Artikeln über die erfolgte Bemusterung doch tatsächlich einige aus meinem höchstpersönlichen Blickwinkel heraus sehr wichtige Details unterschlagen. Aus diesem Grund möchte ich mich heute doch direkt persönlich an Sie wenden, um Ihnen, werte Leserschaft, meine noch sehr frische Beeindruckung des Bemusterungsspektakels mitzuteilen.

Sie können ja gar nicht erahnen, welche unfassbaren Strapazen und Peinlichkeiten meine Federn in diesen 2 Tagen in Frankenberg bei der Fingermistenfirma ertragen mussten. Zum Glück hatte ich meine Reiseapotheke um Baldrian und Valium aufgestockt.

Zu meinem Unglück begann meine Anreise nach Frankenberg damit, in eine unbequeme  Reisetasche verfrachtet zu werden, um dann zu meinem Entsetzen zu erfahren, dass ich mit dem großen Huhn auf eine sehr ermüdende Überland-Zugfahrt bis Kassel-Wilhelmshöhe gehen musste: „WIE BITTE, keine Flugreise?“. Da auf mein nun folgendes Geschimpfe und Gezeter leider keine Rücksicht genommen wurde, verfiel ich in eine tiefe Ohnmacht und kam erst auf einem zugigem Bahnsteig wieder zu mir, auf dem der Hase bereits auf meine Ankunft wartete.

Huhnreisen-2Gemeinsam fuhren wir dann nach Frankenberg in die Pension Ederstrand. Auf diese Pension war ich in der Tat schon sehr gespannt. Welche 4 Sterne Luxusherberge würde MIR in Begleitung eines pelzigen Beagles (dem ich neben unausgereiften Manieren im übrigen schon seit längeren einen leichten Sehfehler diagnostiziere), zwei Hasen und einem etwas zu groß geratenen Huhn, freiwillig ein Aufenthaltsrecht einräumen?

Als wir nach einer nicht zu langen Autofahrt die Einfahrt zu den Außenanlagen der Pension Ederstrand passierten, stach mir direkt einen Stein ins Auge, der mit der Aufschrift „STEIN“ linker Hand in der Auffahrt positioniert war. Da ich mit dem schlimmsten rechnete, fertigte ich schnell  ich einen Zettel mit der Aufschrift „HUHN“ an, hing mir diesen um den Hals und schritt zügig durch die Rezeption. Das geräumiges Zimmer im Erdgeschoss war größer als erwartet und es besaß fließendes kaltes und warmes Wasser.

Nach einer traumlosen Nacht, drang das unbarmherzig fröhliche Trällern des Weckers um 5.30 Uhr an mein Ohr. Was für eine entsetzliche Aufstehenszeit. Noch 3 Stunden – schnell das Äußere aufpoliert, die Federn gekämmt und den Geist mit Kaffee und frischen Brötchen auf Betriebstemperatur gebracht und dann stand der gemeinsame morgendliche Spaziergang mit dem Pelztier auf dem Programm. Da Stil und Anstand in meinem Leben schon immer ganz groß geschrieben werden, beaufsichtige ich selbstverständlich wenn immer es mir möglich ist, den Unterricht im Hundeknigge.

8.15 Uhr: Das vor einer landwirtschaftlichen Ackerfläche gelegene Bauherrenzentrum war von unserer Position aus schon gut zu sehen. Der Beagle tobte auf einer Wiese zwischen den zwei Musterfingerhäusern Aveo und Medley hin und her, die morgendliche Beaglebespaßung sollte das haarende Fellmonster immerhin vor dem langen Bemusterungstag ein wenig ermüden.

Mit einem lustigen „Such den Hasen! Spiel“ wollte das große Huhn den albernen Hundefrühsport beenden. „Such den Hasen!“ schallte es über den Rasen. Der Beagle erspähte eine männliche Person vor dem Eingang des Bauherrenzentrum und spurtete los. Dass ich mit der von mir attestieren Sehschwäche des Beagles keinesfalls falsch gelegen hatte, erhärtete sich in den nächsten Minuten auf unfassbare Weise. Die Person vor dem Fingerhauszentrum trug eine ockerfarbene Hose und die Figur entsprach eindeutig nicht dem Körperbau des Hasen. Der Hase selbst wiederum stand mit offenem Mund staunend auf der anderen Seite der Wiese und beobachtete die jetzt folgende Aktionsszene.

EderstrandDer Beagle galoppierte wie von der Tarantel gestochen quer über den doch sehr matschigen Acker direkt auf eine sich von rechts nahende Lastwagenkolonne zu; das Huhn aus Angst um das Pelztier setze im Spurt hinterher. Ich schrie noch so laut ich konnte: “Neeeeeeeein, meine Liebe, ihr Schuhwerk!“ aber es war zu spät. Während der Beagle das Rennen um den „falschen Hasen“ mit den LKWs über den Acker und die Straße mit Bravur gewann, verlangsamte sich der Spurt des Huhns auf  Zeitlupenniveau.

Der völlig überdrehte Beagle begann nun damit seine verschlammten Pfoten an der ockerfarbene Hose des „nicht Hasen“ zu säubern, der wiederum versuchte den Beagle mit Hilfe der Leine unter Kontrolle zu bringen. Zur gleichen Zeit stapfte das Huhn der Verzweiflung nahe durch den Morast des Ackers, um dem unbarmherzigen Schlamm zu entrinnen, der offensichtlich mit aller Kraft an den Hühnerbeinen zog.

Wenn sie schon nicht in der Lage war, den Beagle aufzuhalten, schien sie sich offensichtlich vorgenommen zu haben, den armen Herrn mit der jetzt wohl camouflagefarbenen Hose vor dem völlig überdrehten Tier retten. Mit letzter Kraft, verschlammtem Schuhwerk und bis über die Waden verschlickter Hose erreichte das Huhn das Bauherrenzentrum an dem jetzt sogar schon der Hund gemerkt hatte, dass der Hase nicht der Hase war.

Meine liebe Leserschaft, ich weiß gar nicht wer schlimmer aussah – das Pelztier oder das Huhn. In diesem Augenblick reduzierte ich zum ersten Mal meinen Baldrianvorrat. Ein Blick auf die Uhr: 8.28 – frische Kleidung konnte nicht mehr angezogen werden, so dass die Hose nur notdürftig geputzt und das Schuhwerk von den größten Schlammbrocken befreit werden konnte. Die Gesamtheit der huhnischen Kleidung ließ aber darauf schließen, dass wir zwar ein Haus bauen möchten, das Geld für die Reparatur der Waschmaschine nun allerdings nicht mehr reich. So eine Peinlichkeit!

Der junge Herr S. nahm uns in Empfang und freute sich sichtlich über den übermotivierten Beaglebesuch. Herr S. strich dem Hund vertrauensvoll über den Pelz und begrüßte uns mit einem freundlichen Lächeln.

Nach Begutachtung allerhand unwichtiger Mistendetails wie Farben und Materialien der Äußerlichkeiten der Luxusmiste und einem anschließendem Mittagessen bei einem örtlichen Fleischbräter stand am Nachmittag das Thema Badezimmer auf dem Bemusterungsstundenplan. Herr S. schlenderte mit uns in die Bäderabteilung und eröffnete uns die umfassenden Möglichkeiten der Bädergestaltung meiner Luxusmiste.

TreppeWas der mittlerweile vom Bauherrenzentrum arg gelangweilte Hund von dieser erweiterten Besichtigung hielt, offenbarte er uns, in dem er das Bein anhob und ein dicker Strahl gelben Hundepipis in der Bäderabteilung auf einem Badewannenvorleger landete. Werte Leserschaft, „Ist es denn die Möglichkeit!, Inkontinenz?“ Vergeblich suchte ich ein Loch im Erdboden in das ich verschwinden konnte. Kurzerhand sprang ich in eine schwarze Ausstellungstoilette und verabreichte mir eine Hochdosis Valium, befürchtete ich doch von Herrn S. zum Casting bei „Familien im Brennpunkt“ angemeldet zu werden.

Hektisch wurde die Vorlegeware beiseite gerollt, ich entschuldigte mich in aller Form bei Herrn S. für den unerzogenen Hund und lief den restlichen Tag tief rosa wie ein Flamingo durch das Bemusterungszentrum. Mit eingesetzter Wirkung des Beruhigungsmittels kehrten wir dann in das Büro des Herrn S. zurück. Der Beagle hatte den freundlichen Mitarbeiter mittlerweile soweit um den Finger gewickelt, dass er sich frei im Büro bewegen durfte. Das nutzte das Pelztier direkt, um mit seinen unmanikürten Hundekrallen über die dekorative Glastür des Büros zu kratzen.

Das Türbild stellte sich nach dieser Spezialbehandlung ramponierter dar als die Hose des Huhns nach dem Ackersprint. Ich stürzte zur Tür um das schlimmste mit einer schnellen Federpolierung zu entfernen. Vergeblich – die Kratzer blieben. Aber der charmante Herr S. nahm die Türramponage gar nicht so schlimm wahr wie ich. Litt etwa auch er eventuell unter einer Sehschwäche?

Um weiteren Schaden zu verhindern, wurde dann ein Hundesnack aus der Tasche geholt,  der sich jedoch nach kürzester Kauzeit in eine Geruchsbombe der besonderen Art verwandelte. Ich stürzte mich erneut auf den Beagle, entfernte den Snack aus seiner Schnauze und verschloss ihn luftdicht in einen Zipperbeutel.

Notiz an mich selber: Es gibt Snacks, die nicht in fremden Räumlichkeiten verzehrt werden sollten, deshalb ist ab sofort eine Taschenkontrolle unumgänglich, welche Snacks von den Herrschaften für das Pelztierchen eingepackt wurden!

Ich riss das Fenster auf und ließ mich erschöpft in den Riesenkaktus im Büro des Herrn S. fallen. Der Rest der Bemusterung verlief dann zu meiner größten Verzückung recht störungsfrei.

Ihre freundlich ergebene

Frau Huhn

 

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Bemusterung in Frankenberg (Teil 2)
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